Reorganisation

Quelle: Das Magazin 23.10.2021 Kolumne Krogerus&Tschäppeler

Wer kennt das nicht! Die Geschäftsleitung tagt hinter verschlossenen Türen. Alles Top Secret! Nach und nach beginnt sich ein Klima von Aufbruchstimmung in der Firma zu verbreiten, ohne dass jemand genau erklären könnte, was da genau vor sich geht. Irgendwann ist sich die Geschäftsleitung dann einig! Die Reorganisation ist beschlossene Sache. (In den meisten Fällen wird die Reorganisation aus diversen Gründen, sicher u.a. wegen personellen Veränderungen, bereits in diesem engen Kreis nicht vollumfänglich mitgetragen.) Weitere Schlüsselpersonen werden in den Plan eingeweiht und arbeiten am Prozess mit. Irgendwann ist das oberste Gremium dann bereit, den Plan freudig (oder eben weniger freudig) zu kommunizieren. Zuerst werden die Kader informiert und am Schluss die grosse Masse der Mitarbeiter*innen. Der Startschuss für die ReOrg wurde damit abgefeuert und los geht’s! Um die Bereitschaft zur Umsetzung der ReOrg zu fördern, fassen bestens ausgebildete Change Agents die Aufgabe, alle Mitarbeitenden, welche noch nicht im Boot sitzen, ins Boot zu holen. Anschliessend müssen sie auch dafür sorgen, dass niemand das Boot wieder verlässt. Soweit – so gut! Und jetzt komme ich auf den geposteten Beitrag des Magazins zurück bezüglich des Zeitfaktors.

Veränderungen gab es bereits früher und gehören heute definitiv zum Alltag. Mir scheint jedoch, dass sich der Mensch immer schneller an Veränderungen anpassen muss. Und es wird immer komplexer! Wie nur sollen wir das im Zeitalter des “global digital flashs” schaffen, die Mitarbeitenden für all die uns noch bevorstehenden Veränderungsprozesse zu begeistern?

Die beruhigende Nachricht:
Der Mensch funktioniert immer noch “analog” und das wird definitiv so bleiben!

Die herausfordernde Nachricht:
Das ganze Thema hat mit Führungsarbeit zu tun und das braucht Zeit. Führungskräfte müssen sich zwingend Zeit für die gute alte “analoge” Beziehungsarbeit frei schaufeln und sie muss regelmässig in den Arbeitsalltag eingeplant werden. Genau wie Zähneputzen. Das ist führungstechnisch sozusagen die Basisarbeit, damit sich mit der Zeit eine tragende und nachhaltige Team- und Unternehmenskultur entwickeln kann. Das wiederum ist eine zentrale Voraussetzung für alle Herausforderungen, welche ein Unternehmen heutzutage und in Zukunft bewältigen muss. Ob dann eine ReOrg klappen wird, hängt bekannterweise auch noch von zahlreichen anderen Faktoren ab.

Persönlich: Als ich noch ein Kind war, setzte man sich nach getaner Arbeit an den Stammtisch. Es fanden informelle Gespräche statt, Informationen wurden ausgetauscht, es entstanden Geschäftsbeziehungen und daraus auch Freundschaften, es wurden Geschäfte per Handschlag abgeschlossen und manchmal wurde sicher auch ein Bier zu viel getrunken. All diese Sachen fanden am Stammtisch statt.

Seither hat sich sehr vieles verändert.

Ich darf es eigentlich gar nicht sagen aber ich bin erst seit kurzem dabei, mich mit den Social Media vertraut zu machen. Und ich muss gestehen, ich war die ersten Tage wie «geflasht» und bin es eigentlich jetzt noch. Die Geschwindigkeit und Vielfalt der verbreiteten Nachrichten ist wirklich beeindruckend. Das hat so überhaupt nichts mit meiner beruflichen Tätigkeit zu tun, wo es unter anderem immer darum geht, mir die notwendige Zeit für einen Menschen zu nehmen und vor allem, mich dem Veränderungs-Bereitschafts-Tempo des mir gegenübersitzenden Menschen anzupassen.

Ehrlich gesagt weiss ich nicht, wie wir die kommenden Hürden meistern sollen und werden aber eines weiss ich genau! Veränderungen brauchen Zeit, es gibt keine Abkürzung ohne Konsequenzen und der Mensch bleibt Mensch!

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